Tuesday, October 21, 2008

Polizei, Krankheit und der Marsch der 300.000

Am Freitag abend habe ich die volle Strenge des bolivianischen Gesetztes kennen gelernt. Dabei ist mir zu gute gekommen, dass ich bei einer Familienfeier der Gastfamilie meines Zivikollegen Kai den Mayor der Polizeistreitkräfte der Zone "Centro" von la Paz kennen gelernt habe, der ein guter Freund von Kais Familie ist. In weiser Vorraussicht hat er mir damals seine Nummer gegeben und mir eingeschärft, dass dieses Telefon immer erreichbar sei und bei Problemen jeder Art bitte anzurufen ist. Das hat am Freitag abend wirklich geholfen.
Am Freitag waren Kai und ich zusammen mit Andres und einigen seiner Freunde auf einer Feier im Süden der Stadt. Eintritt hat aufgrund ausländischer DJs ganze 50 Bolivianos gekostet, was ungeheuer viel ist. Die getränkepreise waren dementsprechend gepfeffert. Deswegen haben wir uns entschlossen, lieber noch etwas in einer Tienda, einem Tante-Emma-Lädchen zu trinken zu kaufen. Auf dem Weg zurück zur Fiesta, genauer, genau vor eben jener Tienda, liefen uns zwei Gesetzeshüter über den Weg, die ihre nächtliche Patroullie liefen und uns auch prompt ansprachen. Man muss wissen, dass der Alkoholkonsum auf öffentlichen Plätzen in Bolivien verboten ist. Normalerweise verfährt die Polizei wie folgt: die ganz strengen Polizisten kippen das Bier aus, die weniger strengen nehmen es mit um sich selber den abend zu versüßen und manche trinken einen Becher mit, sprechen augenzwinkernd eine Warnung aus und gehen weiter. Am Anfang sah es bei uns so aus, als wären wir an die Gruppe zweiter Art gestoßen. Sie erklärten uns also nach der Flasche greifend, dass wir eine Ordnungswiedrigkeit begangen hätten und man eine Lösung finden müsse. Der eine guckte uns alle einmal an, während der andere sich schon auf den Weitermarsch vorbereitete, als seine Blick bei mir hängen blieb - "Momentmal, woher kommst du?" "Aus Deutschland." "Aha, also ein Ausländer. Das verändert die Situation natürlich gewaltig..." Von anfang an war klar, dass er einfach versuchte mehr für sich aus der Situation herauszuschlagen. Deswegen durften wir uns einen Sermon darüber anhören, dass man als Gast sich an die Gesetze zu halten hat, wobei das gleiche Vergehen meiner bolivianischen Freunde hier total in den Hintergrund rückte. Ob ich meinen Reisepass bei habe, wollte er wissen - "natürlich nicht! Wäre ja auch fahrlässig, aber einen Ausweis meines Arbeitgebers, den habe ich mit." "Ah, ja". Skeptisch mussterte er also meine AFS Karte, die mich eigentlich bis jetzt immer genügend ausgewiesen hat und aus der klar wird, dass ich mich hier legal aufhalte. "Das reicht nicht, ich glaube, wir müssen eine Patroulle rufen!" Auch das noch!!! Mit Engelszungen redeten wir auf ihn ein, erfragten vorsichtig, ob man das nicht auch anders regeln könne, doch jedes Angebot schlug er aus, während sein Kollege eher passiv zusah. Kurze Zeit später diskutierten die Bolivianer mit dem strengeren der beiden, der unbedingt eine Patroulle rufen wollte, während ich den etwas passiveren bekniete. Sie blieben hart, obwohl wir doch "alle Freunde sind und das wie Freunde regeln sollten", oder "Sie das Gesetz sind und wir das Gesetz respektieren, und wir auch gerne dem Gesetz mit einem kleinen Geschenk aushelfen würden". Schlussendlich erinnerte Kai sich an den Freund seiner Familie, den Mayor. Ich sprach gerade - oder immernoch - mit dem passiveren, als Kai mich daran erinnerte, dass ich eben jene Nummer hab. So sagte ich zu ihm:"Wir können Beweisen, dass wir hier legal sind. Wir sind Freunde vom Mayor C....". "Ihr kennt den Mayor vom Zentrum?" "Ja, und den können wir anrufen, aber er wird sich nicht sehr darüber freuen...." Andrés merkte, dass der strenge Arm des Gesetztes zu wanken begann, schüttelte ihm die Hand und sagte "vergessen wir das doch einfach", nicht ohne ihm ein 50 Bolivianoschein in die Hand zu drücken. Nach einer knappen Stunde voller lebhafter Diskussion gingen die beiden Polizisten, um je 2,50 Euro reicher, weiter, und wir endlich zurück!
Samstag morgen bin ich zum Einkaufen zum Markt gegangen. Leider ging es mir garnicht gut, nach 7 Wochen hab ich mir anscheinend zum ersten Mal gehörig den Magen verdorben. Eigentlich gehe ich total gerne zum Markt, weil er einfach nur unglaublich ist. Cholas, die in ihren Fruchtbergen sitzen und jedem Vorbeigehenden ihre Ware anbieten. Die Kohlefrauen, die auf alten Jutesäcken Holzkohle in der Sonne zum trocken ausbreiten oder sie zum Verkauf portionieren. Es ist einfach nur eine Vielfalt an verschieden Ansichten und Gerüchen. Leider waren es vor allem die Gerüche, die mir etwas zugesetzt haben; Fisch, der ungekühlt natürlich auf einem Plastiktisch in der Sonne vor sich hingammlt, Metzger, die ein halbes Rind auf ihrem Rücken über den Markt schleppen, und dazwischen immer wieder Straßenhunde, die versuchen sich etwas Essen zu stehlen oder in den Abfällen rumwühlen. Am schlimmster war das "Fleischerhaus", wo die meisten Metzger ihre Geschäfte haben und auch schlachten. Es hat gestunken, überall auf den Theken lagen alle möglichen Stücke von Rind, Schwein oder Schaf, ein Rinnsal von Blut und Abfall suchte seinen Weg aus dem Schlachtraum zum Ausguss, der leider in der Mitte der Verkaufshalle war und somit von allen Leuten passiert wurde, dazwichen immer wieder Fliegen und vor allem Straßenhunde, die aber von den Metztgern vertrieben wurden... nicht wirklich appetitlich, und zu allem überfluss haben wir auch noch ein Rinderherz gekauft, um Anticucho zu machen, was eignetlich total lecker ist, aber in dem moment nicht gerade meinen Appetit anregte sondern eher das gegenteilige förderte...
Am Nachmittag ging es mir etwas besser, also sind Kai und ich zum Oktoberfest in La Paz gegangen, dass vom deutschen Club organisiert wurde. Kurz nach Ankuft meldete sich mein Bauch wieder, so dass ich es da nicht wirklich genossen habe. Das ganze Fest war stilecht gehalten, wirkte aber total surreal weil sich um uns herum die Anden um La Paz erstreckten. Immerhin traf ich den Herrn der deutschen Botschaft, mit dem ich im letzten Monat wegen der Visa zusammengearbeitet habe, wie er in Lederhosen und Bayernhut zu Blasmusik seinen Bierkrug schwänkte...
Sonntag hab ich das Bett gehütet, inzwischen geht es meinem Magen auch viel besser. Was sich sonst noch so ereignete, hat glaube ich auch seinen Weg in die deutschen Nachrichten gefunden: Vor rund einer Woche sind meist Leute der indigenen Bevölkerungsgruppen zu einem Marsch auf La Paz aufgebrochen, um ihre Unterstützung für Evo Morales und die neue Verfassung kund zu tun. Der Marsch wurde von der Regierung organisiert, und manch einer hier sagt, dass die Regierung jeden einzelnen Mitläufer entlohnt hat. Fast eine Woche liefen die Leute aus dem Süden des Landes Richtung La Paz, und je nach angaben sollen sich zwischen 100.000 und 300.000 Menschen angesammelt haben. Während der letzten Woche wurde berichtet, dass es erhebliche Ernährungsprobleme gab während des Marsches.
Gestern erreichte der Marsch La Paz und wurde für die letzten 50 Kilometer von Morales persönlich angeführt, der die Menschenmenge zum Plaza Murillo vor das Parlament lenkte, wo eine Kundgebung stattfand. Genaueres findet ihr hier http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,3728548,00.html.
Für mich bedeutet das nur, dass ich abends nicht in Centrum soll, weil die MASisten Gringos wie mich nicht gerade mögen, weil wir halt ihr Freindbild verkörpern. Bis jetzt ist zwar alles ruhig, aber sie haben ihrern Erfolg gefeiert und Betrunkene will ich auch nicht provozieren. Mein Gastvater, der nahe des Plaza Murillo arbeitet, ist heute ohne Anzug zur Arbeit gegangen, weil die MASisten auch die Mittelschicht für ihre Misere verantwortlich machen, und zur Mittelschicht gehören pauschal alle Anzugsträger. Außerdem gab es heute morgen kein Brot zu kaufen; mehr als 100.000 Leute müssen schließlich auch irgendwie ernährt werden!!

Thursday, October 16, 2008

"Dienstreise" nach Chile

Am Montag nachmittag bin ich von meiner ersten kleineren Reise zurückgekommen. Sie führte mich in die wunderschöne Küstenstadt Arica nach Chile. Warum dienstlich?? Weil Bolivien seine Visabestimmungen unglaublich verschärft hat und deswegen fast alle, weder Freiwillige noch Austauschschüler hier, kein Visum haben.
Zu den neuen Bestimmungen, neben dem deutschen Führungszeugniss und allen möglichen anderen Dokumenten in den verschiedensten Formen und Sprachen, gehört auch ein internationales polizeiliches Führungszeugnis, dass man sich bei Interpol abholen kann. Letzte Woche war ich deswegen bei Interpol, und ich kam mir vor wie in einem Film der irgendwo in Kuba spielt und auch eine Szene in einem Regierungsgebäude enthält.
Interpol ist mitten in der Stadt nahe dem Plaza Murillo, in einem weißgetünchten, holzverkleidetem dreistöckigen Flachbau, schön vor einem kleinen Plaza mit Palmen gelegen. Bei Reingehen begrüßte mich ein freundlicher, aber gelangweilt dreinschauender Polizist der Nationalpolizei, in seiner grünen Uniform mit schwarzer Krawatte und streng zurückgekämmten Scheitel. Ich wurde von der Pforte in die Büroräume geschickt, und die waren wirklich unglaublich klassisch. Im Warteraum stand eine alte, rote, durchgesessen Coutsch, auf der sich andere Ausländer geduldeten, bis man zur Personalaufnahme aufgerufen wird. An der Decke surrte ein Ventilator, die großen, in schweren Holzrahmen eingelassenen Fenster standen offen und im Warteraum vermischten sich somit die Stimmen der Beamten mit den Geräuschen des Verkehrs und dem Klackern der Schreibmaschienen. Einmal aufgerufen saß ich einem freundlich dreinblickenden, untersetzten Bolivianer gegenüber, der nach der Begrüßung sich aufrecht auf seinen abgewetzen schwarzen Ledersessel setzte, seine grüne Polizeimütze mit Akribie neben seiner Schreibmaschiene auf seinem dunkelen Eichentisch positionierte und anfing, den Fragekatalog abzuarbeiten und feinsäuberlich mit Hilfe eben jener Schreibmaschiene auf irgendein Papierchen zu bannen. Da es in Bolivien keine Postleitzahlen gibt, hat er die meine beim Eintragen meiner deutschen Adresse einfach weggelassen. Es is also aüßerst fragllich, ob eine Beschwerde jemals ankommen würde oder man mich mit dieser Adresse bis nach Deutschland verflogen könnte. Zum Abschluss wurden noch meine Fingerabdrücke genommen, aber nicht nur der vom Daumen wie in Deutschland oder den USA, sondern gleich, wahrscheinlich nur um sicher zu gehen, von allen zehn Fingern. Mit der Sanftheit eines Metzgers drückte ein anderer Polizist meine Finger auf einen dreckigen Vordruck und rollte jeden meiner Finger schön hin und her, damit der Abdruck besonders deutlich verschmiert. Ich frag mich sowieso, wie die im Fall des Falles die Abdrücke abgleichen wollen, weil ich kaum glaube das die Abdrücke geordnet geschweige den digitalisiert werden, und ein Computer-Erkennungsprogramm in einem Büro, das sonst nur mit Schreibmaschienen ausgestattet ist, wird es wohl nicht geben....
Aber zurück zu der Reise nach Chile! Eine Austauschschülerin aus den Phillipinen musste ihr Visum bei einem Konsulat im Ausland beantragen, und das nächste ist nunmal in Arica in Chile. Somit sind noch ein paar andere Leute aus dem Büro und zwei Freiwillige mitgefahren, um den Anlass zu nutzen. Natülrlich rein dienstlich, versteht sich. So ging es also in einem recht gut ausgestatten Bus am Mittwoch morgen in aller Frühe Richtung Chile. Die acht Stunden Fahrt vergingen recht gut, da die Route wiedermal durch wunderschöne Andenlandschaften führte, vorbei an wildgrasenden Lamaherden oder Flamencos, die in spiegelklaren Gebiergsseen ihr Dasein verbrachten. Die einzige Überraschung hatten wir an der Grenze. Einer der Freiwilligen hat bei Einreise nur ein 30 Tage Visum bekommen, war also seit einigen Tagen illegal, oder sagen wir, klandestin in Bolivien. Der Grenzer wollte nicht seinen Ausreisestempel in den Pass drücke, ohne dass er für jeden Tag ohne Aufenthaltsgenehmigung eine Gebühr von 15 Bolivianos zahlt. Wir diskutierten und bettelten, doch nach einem geflüstertem Gespräch mit einem seiner Kollegen kam er nur kopfschüttelnd zurück und sagte, wir müssten zahlen. Auf die vorsichtige Frage, ob es nicht noch eine andere Möglichkeit gäbe, das Problem beizulegen, guckte er uns kurz an, schielte rüber zu seinem Kollegen, der gerade beschäftigt war und gab uns als Antwort ein mehrdeutiges "Ich helfe euch, wenn ihr mir helft" zurück. Ein paar kleine Scheinchen Bolivianos wechselten den Besitzer, und eine halbe Minute später standen wir alle vor dem Büro - mit Ausreisestempel. Ärgelich war zwr schon, dass wir was bezahlen mussten, aber wenigstens war das Schmiergeld geringer als die Strafgebühr. An der Grenze konnte man noch einige andere interessante Sachen beobachten. Zum Beispiel die ganzen Autotransporte, die halb verrostetet und schon arg gebeutelte Modelle nach Bolivien brachten. Bolivien ist sowas wie der Autofriedhof Südamerikas, was sich im tagtäglichen Leben wie auch an der Grenze mal wieder bewies.
In Arica hatten wir uns in ein wunderschönes Apartment mit Blick auf den Pazifik eingemietet, und die Tage verbrachten wir meistens im kleinen, aber wunderschönen Stadtkern oder am Strand. Dieser Abschnitt Chiles gehörte mal zu Bolivien, wurde aber nach dem Salpeterkrieg, doer auch Pazifikkrieg, von Chile annektiert. Wegen diesem Krieg haben die beiden Länder noch heute keine diplomatischen Beziehungen, und die Schilderung ist so verschieden wie die Länder selbst. Die Region ist reich an Salpeter und Kupfer, welches im 19. Jahrhundert meist von Chilenen abgebaut worden ist. Bolivien erhob allerdings Steuern. Die Chilenen sagen, dass trotz bezahlter Steuern die Mienen von Bolivien besetzt wurden, um mehr Geld zu forden. Für Chile untragbar, es gab einen Krieg, den Chile gewann und die region wurde sich einverleibt. Die Bolivianer sagen folgendes: die Chilenen wollten ihre Gebiete ausweiten und griffen an Karneval, als alle Bolivianer besoffen und ausgelassen feierten, die Gegend aus einem Vorwand an. Da Bolivien alle seiner Kriege verloren hat, ging auch dieser verloren. Ich glaube, dass die bolivianische Schilderung wohl eher stimmt, da Chile im gleichen Krieg bis nach Lima in Peru marschierte und auch einige Gebiete von Peru annektierte.
Chile ist heute das reichste Land Südamerikas, und man sieht es an den Straßen, Häusern und Autos. Alles ist mehr geregelt, und viel viel teuerer. In Arica gibt es trotzdem gute Schwarzmärkte. Das Meer eignet sich gut zum Surfen, aber abgesehen von der Stadt ist die gegend wüstenähnlich sandig. Arica ist die Stadt des ewigen Frühlings mit kaum Niederschlag, was nicht gerade den Pflanezen gut tut. Arica ist berühmt für "El Morro", ein Fels, der in den Pazifik ragt und von dem man einen wunderschönen Ausblick auf den Ozean und die Stadt hat.
Die Tage vergingen wie im Flug, beim Faulenzen in der Sonne verliert man irgendwie das zeitgefühl, auch wenn ein gelegentliches Bad im erstaunlich warmen (20 Grad) Pazifik mich ab und an richtig wach machte. Der Unterschied des Sauerstoffgehaltes zwischen 4000 und 10 Höhenmetern ist gewaltig. Beim Joggen am Strand war ich erstaunt, das ich ohne Probleme 40 Minuten laufen konnte, ohne hier sonderlich viel gelaufen zu sein. In Chile habe ich außerdem meinen ersten Delfin gesehen, der aber leider tot an den Strand gespült wurde und dem Vögel und Straßenhunde arg zugesetzt hatte.
Die Rückreise verlief natürlich nicht wie geplant. Eigentlich wollten wir am Sonntag morgen los, aber die Chilenen haben weiß Gott warum mitten im Oktober ihre Uhr eine Stunde vorgedreht, was weder in Bolivien üblich ist noch uns bekannt war, so dass wir nach alter Zeit pünktlich am Busterminal waren, nach neuer aber zu spät! Deswegen blieben wir ein Tag länger als geplant, was aber bei dem wunderschönen Wetter nicht weiter schlimm war.

Wednesday, October 1, 2008

Ein Monat in Bolivien

Die Reise nach Arika hat sich leider etwas verzögert, so dass ich erst nächste Woche Mittwoch erst fahren werde.
Inzwischen bin ich seit 5 Wochen hier, seit 4 Monaten arbeite ich. Und es ist wirklich ertaunlich, wie rasend schnell man sich einlebt.
Inzwischen habe ich einen richtigen Alltag, und ich habe mich an vieles gewöhnt. Noch vor einem Monat bin ich zitternd aufgewacht, bin zitternd aus der Dusche gekommen und hab mich nochmal in mein Bett gelegt, um mich aufzuwärmen. Die Häuser sind weder isoliert noch haben sie eine Heizung. Deswegen war mir vor allem morgens und abends, wenn in La Paz die temperatur fällt, wirklich kalt. Inzwischen geht es viel besser. Statt unter 5 Decken schlafe ich nur noch unter 3 oder 4, und inzwischen habe ich auch raus, wie ich morgens so viel warmes Wasser wie möglich bekomme; am Duschkopf ist hier ein elektronischer Wasserheizer angebracht, der ab einer bestimmten Wassermenge erst anspringt, aber zu schwach ist um einen starken Strahl zu erhitzen. Ich muss also genau den Moment abpassen, in dem genügend Wasser kommt, um den Boiler anspringen zu lassen, um möglichst warm zu duschen. Leider geht der Boiler andauernd aus, letzte Woche war er auch kaputt. ganz ums kalt duschen komm ich also nicht.
Genauso zu meinem Alltag sind die beiden alten Autowäscher geworden, die jeden morgen, wenn ich das Haus verlasse, rauchend an der gleichen Stelle meiner Straße sitzen, auf Kundschaft warten und mich mit einem freundlichen "buenos dias joven" begrüßen. Oder die Autolawiene, die sich morgen um morgen ohne jegliche Regeln durch die Stadt wälzt, unterstrichen von wildem gehupe und wüsten Beschimpfungen, wenn es mal wieder fast zu einem Unfall kommt.
Der verkehr hier ist ein Kapitel für sich. Die Begenbenheiten der Stadt stellen eine unglaubliche herausforderung an Mensch und Maschiene, weil die Straßen steil, eng und verwinkelt sind. Die Taxi-, Trufi-, Mikro- oder Minifahrer jagen ihre Autos im ersten Gang bei 4000 Umdrehungen die Anstiege hoch. Vor einer kreuzung wird generell nicht gehalten, sondern gehupt und einfach weitergefahren. Der andere wird schon bremsem.
Zur Erklärung: Trufis sind normale Limosinen, die eine vorgegeben Route fahren. Minibusse sind meist alte Toyota-Kleinbusse, in die ein paar enge Sitzreihen eingebaut worden sind und wo immerhin 12 leute Platz finden. Begleitet werden diese Fahrzeuge von einem Schreier, der sich während der Fahr aus dem Fenster lehnt und die Fahtrichtung den Passanten entgegenschleudert. Um Passanten aufzunehmen, werden schonmal gerne halsbrecherische Manöver in Kauf genommen, wie von der ganz linken Spur im dichten Stadtverkehr an den rechten Gehweg zu ziehen. Ein Mikro ist ein alter, stinkender Bus, der so aussieht wie die schulbusse in den USA, aber statt gelb blau ist, dafür genauso unbequem. Ich nehme in diesen Bussen meist eine Sitzbank für mich ein, weil ich einfach meine Beine zur Seite strecken muss. Die Leute hier sind im Allgemeinen eher klein. Die tür bleibt immer dabei immer auf, und man muss gelgentlich schon mal auf den zwar langsam fahrenden, aber immerhin noch fahrenden, Bus springen, weil der Busfahrer keine Lust hat anzuhalten. Beim Aussteigen ist es nicht anders. Haltestellen gibt es grötenteils nicht, man sagt einfach Bescheid wann man aussteigen will und das Gefährt hält. Ab und zu stinkt es aber ganz gut im Bus, zum einen weil es das billigste aller Gefährte ist (Strecke jeder länge ein Boliviano=9 cent), und weil auch hier gerne mal Tiere mitgenommen werden....
Mometan gibt es sonst nicht allzuviel neues, es ist schon sowas wie Alltag aufgekommen. Ich habe angefangen, an einer Uni Basketball zu spielen. Allerdings trainieren die vier mal die Woche, was mir etwas viel ist, weil ich noch was anderes gerne machen würde außer zu spielen. Heute werden wir in den untersten Stock unseres Hauses ziehen, weil das Dach endlich repariert wird (es regnet rein), sonst geht es wie gesagt nächste Woche nach Arika. Am Wochenende ist in La Paz das Pacena Bier- und Musikfest, zu dem ich auf jeden Fall hingehen werde. Also bis bald!

Tuesday, September 23, 2008

Begegnung einer etwas anderen Art

Am Sonntag fuhr ich mit meinen Kollegen, inzwischen schon Freunden, Jonas, Andrés, Pamela und ihrem Mann Juanjuo nach El Alto zur Feria. Die Feria ist eine Straßenmesse, die jeden Sonntag in El Alto stattfindet und insgesamt rund 45.000 Stände fasst. Hier kann man wirklich alles kaufen; Kleidung, Schuhe, elektronische Geräte, Essen, Autos, einfach alles, was man nur kaufen kann. Die Sachen sind in der Regel gebraucht.
Bei Ankunft versteckten wir unsere Sachen in unseren Innentaschen, weil hier oben in den engen, ungepflasterten Straßen in dem Geschiebe und Geschubse zwischen den Ständen gerne Leute beklaut werden. Ich, als Gringo, so wurde mir gesagt, müsse besonders achtsam sein. So haben wir uns in das Getümmel gestürzt, und es war wirklich extrem lustig stundenlang bei den Ständen zu stöbern, Sachen anzuprobieren und letzteenendes mit dem Verkäufer um jeden Boliviano zu feilschen. Erstaunlicherweise habe ich sogar Sportschuhe in meiner Größe gefunden. Wo die herkommen, will ich allerdings nicht wissen.
An jedem zweiten Stand hingen Pullis von irgendwelchen Sportmannschaften, darunter auch Schulteams aus z.B. den USA, wo noch die Namen der Vorbesitzer draufwaren. So hätte ich mich gut eindecken können mit Pullis, die vorher Meagan, Kyle oder Stefan gehört haben. Am nächsten Tag hat mir mein Mitarbeiter Nelson zum gleichen Thema erzählt, dass sein Onkel mal übefallen und ausgeraubt worden ist. Um sich ein billiges Handy zu kaufen, ist er auch nach El Alto gefahren. Nach kurzer Suche fand er an einem Stand sein Handy, nebst Brieftasche und seinen anderen Habseligkeiten. Fast alles, was geklaut oder gefunden wird, landet auf der Feria, nachdem es durch einige Hände gegangen ist.
Hier oben kommen nur sehr sehr selten Touristen hin. Deswegen wollte mich der eine Schuhverkäufer warscheinlich auch abziehen. Ich hatte gute Schuhe gefunden, nur als ich beide anprobiert hatte, war der eine in 45, der andere in 46. Als ich ihn drauf ansprach meinte er nur verwundert "cheee, stell dich nicht so an, was ist schon eine Größe unterschied..."
Das erstaunlichste Erlebnis hatte ich mit einer schon etwas älteren Chola, die am Straßenrand saß und irgendwas verkauft hat. Andres und ich sahen uns ihre Sachen an, als die Frau aufblickte und mich ansah, dabei ihre Tochter anstubste und sagte: "Schau mal den Jungen an. Hija, so sehen Engel aus". Andres und ich waren total verdutzt und verließen den Stand ohne was zu kaufen. Als wir gingen hörten wir sie noch sagen, "heute ist ein glüklicher Tag, denn heute wurden wir von einem Engel besucht"....

Später am Nachmittag, nachdem wir die Feria voll beladen verlassen hatten, bin ich noch zzum Clasico gegangen. Das ist das Spiel zwischen den beiden ältesten Fußballvereinen der Stand, zwischen Bolivar und The Strongest. Das Spiel war ausgesprochen gut, auch wenn das Niveau nicht wirklich hoch ist und es zum Teil schon ganz schönes Gekicke war. Es war ein offenes Spiel, das am Ende keinen Sieger verdient hatte und auch gerechterweise 3:3 ausging. In den letzten 5 Minuten ging es noch richtig gut zur Sache. Beim Stand von 2:2 gab es erst einen Lattenschuss von The Strongest. Eine Minute später liefen sie einen Konter, Zweikampf im Strafraum, der Stürmer fällt, Elfmeter! Höchst umstritten, es gibt minutenlang Geschubse und Gerangel um den Schiedsrichter, aber das ändert nichts an der Entscheidung. Der Elfmeter wird verwandelt, die einen Schreien vor Freude, die anderen vor Aufregung. Nach Anstoß wird der Ball von Bolivar nach vorne gebracht, es läuft die Nachspielzeit. Ein Fall vor dem 16 Meterraum, Freistoß. Wieder Gerangel. Aber, der Schütze läuft ein, schießt, und der Ball geht rein! Unglaublich schönes Freistoßtor, auch letzte Aktion des Spiels. Wirklich gutes Spiel!!!
Anders als in Deutschland laufen nach dem Spiel Zuschauer auf den Rasen. Und die Schiedsrichter werden hier von einem Einsatztrupp Polizisten in voller Kampfmontur (Helm, Schlagstöcke, Pistole und Schilder) gedeckt und vom Spielfeld geführt. Aber nach dem Spiel blieb zum Glück alles ruhig.

So, das nächste Mal schreib ich etwas über meine erste größere Reise. Am Mittwoch oder am Donerstag geht es für mich für ein paar Tage nach Arika, Chile.

Tuesday, September 16, 2008

Oruro - ein Auto wird getauft

Am Samstag habe ich meine erste kleinere Reise in Bolivien gemacht. Dabei ging es nach Oruro, eine weitere Stadt im Hochland Boliviens, zusammen mit meinen Kollegen Jonas und Carla und Rosaria, eine Freundin von Jonas, die Chilenin ist aber gerade einen Freiwilligendienst in La Paz abeistet. Ziel der Reise war, einen Vortrag beim lokalen Komitee zu halten. Für die ca 260 Kilometer Fahrt haben wir erstaunlicherweise nur rund 3 einhalb bis 4 Stunden benötigt. Für ganze 15 Bolivianos (umgerechnet 1,45 €) ging es Samstag früh ein natürlich später als eigentlich angegen los. Die normale Verspätung hier bei allem beträgt ungefähr eine halbe Stunde bis Stunde. Deswegen macht man bei wichtigen Sachen aus, ob man sich nach der "hora normal" oder "hora boliviana" (mit Verspätung) trifft.
Die Fahrt war recht unspektakulär. Es ging für Stunden auf einer engen, aber dafür größtenteils geteerten Landstraße immer geradeaus durch das bolivianische Hochland. Die Landschaft hier oben ist nicht besonders, es ist karg, braun und staubig, man kann endlos weit die flache, triste Ebene des Hochplateaus entlangsehen, nur am Horizant ragen winzigklein die Spitzen der Cordilleren hervor. Der Bus fuhr durch kleine Dörfer, in denen die Landstraße die Lebensader ist. In diesen Dörfern rekrutiert Morales den großteil seiner Unterstützer. Hier leben die armen Bauern des Hochlandes in Lehmhütten ohne Zugang zu Bildung, aber in der Hoffnung das "ihr" Präsident, der selber mal Cocabauer war, die Tür zu einer besseren Zukunft aufstoßen wird...
Nach zwei Stunden Fahrt fing es im Bus leider etwas an zu stinken, weil die Sonne vom strahlend blauen Himmel den Bus gut aufgeheizt hat. Vielleicht lag es aber auch daran, dass manche Mitreisende ein Huhn oder anderes Getier dabei hatten. Während der ganzen Fahrt kamen wir in den Genuss bolivianischer Schlagerpops, was sich zum Glück nicht so anhört wie Michael Wendler, aber auf Dauer genauso nevig ist. Hauptelemente sind hier Panflöten, die in jeder Gesangspause irgendwas Dudeln, irgendwelche einheimische Zupfinstrumente und ein Sänger, der in einem lamentierenden Singsang verlorene Liebe, seine Heimat oder sonstige Themen beklagt.
Einen kleinen Schock bekam ich, als wir durch die Randorte von Oruro gefahren sind, weil hier die Stadt wirklich hässlich ist. Die Häuser sind total heruntergekommen und verfallen, überall ist viel Müll und streunende Hunde. Aber der Verfall hat einen Grund. Oruro ist eine Bergarbeiterstadt und war mal der Industriemotor des Landes. Aber wie in allen auf einen Industriesektor zugeschnitten Städte ging mit dem Rückgang des Bergbaus auch der allmähliche Verfall der Stadt einher, weil einfach die Menschen wegzogen und die Häuser nun leerstehen und sich selbst überlassen werden. Der Strukturwandel ist in einem Land wie Bolivien natürlich auch schwieriger zu bewältigen als woanders...
Dafür ist aber die Innenstadt wirklich schön. Es gibt viele Parks, öffentliche Plätze und Kirchen. Oruro ist nämlich für zwei Dinge berühmt: den Karneval, und für ein Gemälde der Jungfrau Madonna, die hier Schutzpatronin der Arbeiter war. Hier ist die Heiligenverehrung, ähnlich wie in Spanien, generell viel ausgeprägter als in Deutschland.
Nachdem wir aus der Kirche kamen, hatten wir das Glück, einer Autosegnung beizuwohnen. Ja, ihr habt richtig gelesen, hier gibt es den Brauch, dass Autos in einer feierlichen Zeremonie gesegnet werden. Das sah wie folgt aus: Das Auto ist geschmückt wie bei einer Hochzeit, mit Blumensträuchen an der Motorhaube und am Kofferaum. Die Plastikfolien waren noch auf allen Sitzen und Amaturen drauf. Der Priester kommt in seinem Messgewand nach der Messe mit Weihwasser zur Feiergemeinde, beglückwünscht den Besitzer, spränkelt Weihwasser auf den Motorblock und segnet den Wagen sowie den Besitzer. Danach wird der Besitzer von allen beiwohnenden herzlichst beglückwünscht, es gibt was zu Essen und Trinken. Danch greift der Besitzer zur Sektflasche, zerdeppert diese am linken Vorderreifen, gibt seinem Auto einen Namen. Es gibt mehr Essen. Danach greift er zur Cola, sprüht etwas Cola auf den Motorblock, läuft danach ums Auto und besprüht es dabei. Seine Frau läuft im hinterher und bewirft das Auto mit weißen Rosenblüten, danach wird mehr gegessen und getrunken. War schon wirklich lustig dabei zuzusehen.
Den Rest des Tages verbrachten wir mit unserem Vortrag. Es gab allerdings mal wieder leckeres lokales Essen, wobei ich wieder nicht weiß was es war geschweige den wie es heißt...
Alles in allem war der Trip wirklich gut, auch wenn Oruro verdammt kalt ist (liegt auf mehr als 4100 Metern). Dafür sind die Bewohner sehr nett. Das Komitee hat uns alle aus La Paz offiziell zum Karneval eingeladen, und ich glaube, das ich mir das nicht entgehen lassen werde.

Monday, September 15, 2008

Muela del Diablo

Der Muela del Diablo ist ein Fels, der etwas südlich von la Paz auf einem Beghang liegt (siehe Fotos). Übersetzt heißt es Teufelszahn, und um diesen Fels ranken sich viele Mythen der Aymara. Angeblich saugt das Loch im Fels am Fuße des Teufelszahns unachtsame Hunde und junge Männer ein, die dann für immer verschwinden. Der Teufelszahn ist, so wurde es uns jedenfalls gesagt, ein inaktiver Vulkan. Außerdem ist er ein beliebtes Ziel der Städter für Wanderungen am Sonntag, also haben Kai und Ich uns letzte Woche auch aufgemacht.
Anfangspunkt ist ein Friedhof namens San Pedegral im Süden der Stadt. Von da aus folgt man der Landstraße, die hier nur eine Schotterpiste ist, den ersten Berg hoch. Dieser erste Anstieg war extrem steil und für mich auch anstrengend, weil das meine erste sportliche Betätigung war seit dem ich hier bin und die dünne Luft mich schnell hat außer Atem kommen lassen. Die Straße mündet schließlich in einen Wanderweg, der durch ein kleines Bergdorf führt. Das Dorf war schon ein Erlebniss für sich; Häuser aus Lehmziegeln mit Dächern aus Wellblech, Esel und Schweine, die in Anbauten neben den Hütten gehalten werden und sich in der kargen Berglandschaft ihr Futter suchen, und das alles vielleicht eine Stunde außerhalb von La Paz...
Leider war die Beschilderung des Weges nicht so super (Überraschung), und somit haben Kai und ich uns erstmal ein bisschen verlaufen, was im Endeffekt nicht schlimm war, weil wir erstens Zeit hatten und zweitens mit einem wunderschönen Blick auf die Stadt belohnt wurden.
Der Weg hoch zum Muela führte durch wunderschöne Berglandschaften, bizarre Felsformationen und Kartoffelfelder. Es hat stark ans valle de la Luna erinnert, weil auch hier die gleichen Phänome die zum Teil sehr weichen Steine geform haben.
Am Muela angekommen haben wir erstmal eine Pause gemacht und was gegessen und dabei den unglaublichen Ausblick genossen, da wir auf ca. 4000 Meter Höhe waren und weit in die Täler schauen konnten. Leider haben wir es nicht ganz auf den Berg geschafft, weil dafür Kletterausrüstung nötig ist, aber wir haben ja noch ein Jahr Zeit um sowas zu machen.
Auf dem Rückweg sind wir einen anderen Weg gekommen und somit noch ein bisschen durch die Berge südlich von La Paz gewandert. Dieser war allerdings sehr steil, eng, steinig und rutschig, so dass wir froh waren, als wir nach einer eineinhalbstündigen Rutschpartie endlich wieder in der Stadt angekommen sind. Beim Abstieg sind wir dabei durch Las Floridas, einem Teil der Zona Sur gelaufen, der mit zu den reichsten Teilen gehört. Für uns war es komisch zu sehen, wie nur durch einen Berg und vielleicht durch 4 Kilometer Luftlinie getrennt die einen in Lehmhütten hausen, wohingegen in diesem Teil ein Porsche vor einer riesigen Villa mit bewaffneten Wachpersonal steht...
Die Wanderung war auf jeden Fall gut um sich zu akklimatisieren. Unser erster mehrtätige Trekkingtrip wird dann wahrscheinlich in Peru der Inka Trail sein, bei dem man außerhalb von Cuzco startet und zum Machu Picchu läuft. Die Fotos zum Hike sind übrigens rechts neben Eintrag.

Friday, September 12, 2008

la Paz

La Paz liegt in einem Talkessel, erstreckt sich aber auch auf die umliegenden Berghänge. Die Stadt an sich ist wie folgt aufgebaut: ganz im Norden ist El Alto, eine eigenständige Stadt, die aber fließend in La Paz übergeht. El Alo ist der höchstgelegende Teil des Städtekomplex, und hier liegt auch der Flughafen. Die Bewohner im Süden sagen über El Alto, dass es kalt, dreckig und hässlich ist. Kalt ist es da oben wirklich. Der Höhenunterschied zwischen dem höchstgelegen Teil El Altos und der Südzone La Pazs beträgt 1000 Höhenmeter, was ungefähr einen Temperaturunterschied von 5-7 Grad ausmacht. Als es in la Paz letzte Woch geregnet hat, hat es in El Alto geschneit.
Dort oben ist es für Ausländer wirklich niciht so sicher, aber dot oben gibt es bis auf eine schöne aussicht auf die Stadt nicht so viel. El Alto wächst sehr schnell, aber der Großteil der Neubürger sind arme Campesinos aus dem Hochland, die hier ihr Glück versuchen, weswegen die Armut wieder zunimmt. Auf dem Weg zum Titikakasee fährt man durch die Randgebiete El Altos, und da hab ich halt auch gesehen wie die Frauen ihre Wäsche in dem momentan total dreckigen Fluss (momentan dreckig, weil Trockenzeit ist und er wenig Wasser führt, so dass die Abwässer nicht flussabwärts gespült werden) waschen. Der großteil der Bevölkerung in El Alto sind Quecua oder Aymara. An den Mauern und Häuserzeilen sind überall Aufrufe zur Unidad (einheit) und Pro Evo Sprüche, weil er auch hier große unterstützung findet.
Ich wohne und arbeite im Zentrum. Hier befindet sich die Flaniermeile (Prado), genauso wie ein paar Wolkenkratzer, die Regierungsgebäude, einkaufsmöglichkeiten und viele Pubs und Bars.
im Süden der Stadt liegt die sogenannte Zona Sur. Das ist das wohlhabenste Viertel von La Paz. Von Armut und den sozialen Problemem bekommt man hier unten nicht viel mit. Es ist eigentlich eine Reichenenklave. Die Häuser sind zum teil riesengroß, aber dafür auch gut geschützt. Die meisten Straßenzüge haben einen privaten Wachdienst.
Die Straßen in der Stadt sind eigentlich alle recht gut, sind aber zum teil recht steil und führen irgendwie ineinander. Die Straßen sind gesäumt von kleinen Ständen, an denen man tagsüber für ein paar Bolivianos wirklich alles von Obst, Süßigkeiten, Pflegemitteln zu Handys und anderen Elektrosachen bei Indiofrauen kaufen kann. nachts werden dann irgendwelche gerichte angeboten, die auf holzkohleöfen auf den Gehwegen gekocht werden.
Außer den Ständen stechen drei weitere Gruppen total ins Auge, weil sie überall aufzufinden sind und das Stadtbild sehr prägen: Schuhputzer, Wachpersonal und Bettler.
Man kann sich an jeder ecke für ein bis zwei Bolivianos seine Schuhe putzen lassen. Die schuhputzer erkennt man an ihrem kleinen holzkasten, in dem sie ihre Politur aufbewahren und der gleichzeitig als sitz dient, und an ihren Skimasken, die sie immer anhaben.
Wachpersonal ist hier wirklich an jeder ecke vorhanden. momentan, aufgrund der Unruhen, wurden sogar uniformierte mit Schlagstöcken vor den bankautomaten postiert. In Cafes und Supermärkten ist es aber normal. Meistens sind die wächter nur mit Schlagstöcken bewaffnet, nur vor den banken sieht es anders aus. Am Anfang war es für mich wirklich befremdlich, von zwei Männern mit kugelsicherer Weste und Pumpgun im Anschlag begrüßt zu werden, als ich ins Bankgebäude reingegangen bin, inzwischen habe ich mich an diesen Anblick vor Kreditinstituten und anderen wichigen Gebäuden gewöhnt.
Traurigerweise gibt es auch sehr sehr viele Bettler. Sie sind meist alte Indigene, die wirklcih Hilfe brauchen. Wenn man ihnen was gibt, wird man auf aymara oder quechua gesegnet, wenn man nichts gibt in dne selben sprachen beschimpft oder verflucht.
Die indigenen Frauen, die Cholas heißen, erkennt man auch sofort. viele von ihnen tragen traditionelle Kleidung, also bunte Röcke und lagenweise Ponchos. Man sieht sie auch nur selten mit Tüten. Ihre einkäufe tragen sie in Decken gehüllt auf den rücken. Genauso werden auch Babies und Kleinkinder transportiert, was wirklich lustig aussieht. Das Bild wird von einem Bowlerhut abgerundet. Das sind die schwarzen Melonen, die eigenltich aus Enland kommen. Sitzt der Hut schief, ist die frau noch nicht verheiratet, sitzt er geade, dann schon.